G'schwätzt mit ...

(© Foto Iberl-Bühne)
(© Foto Iberl-Bühne)

... Hansi Kraus

 

... wurde als Jan Christoph Krause 1952 in Gliwice, Polen geboren. Er wuchs ab dem sechsten Lebensjahr in München auf. Seine erste Filmrolle erhielt er mit 12 Jahren in dem von Helmut Käutner verfilmten ‚Lausbuben-geschichten (geschrieben von Ludwig Thoma) mit der Rolle des Ludwig. Als Pepe Nietnagel hat er in fünf Filmen Ende der 60er, Anfang der 70er als ‚Lümmel in der ersten Reihe‘ Schabernack getrieben. Seitdem hat er ein sehenswertes und umfangreiches Repertoire im Bereich Film und Fernsehen vorzuweisen und ist von den bayerischen Volks-theaterbühnen nicht mehr wegzudenken!


 

                                                        Lieber Hansi Kraus,

                                                        ich freue mich auf das Gespräch mit Ihnen!


 

 

In Ihrem Pass steht Jan Christoph Krause. Womit fühlen Sie sich eigentlich wohler. Mit Hansi Kraus oder mit Ihrem Namen im Pass?

 

Ich habe den Namen seitdem ich mit 12 Jahren meinen ersten Film gedreht habe. Da hat man in einer Zeitungsanzeige den Lausbub‘ gesucht. Ich habe mich darauf gemeldet und den Wettbewerb gewonnen. Nach der Premiere des Films habe ich meinen Namen auf dem Plakat gesehen und sofort gesagt: Ihr habt meinen Namen falsch geschrieben! Man hat mich daraufhin aufgeklärt, dass ein Jan Christoph Krause nicht als Hauptdarsteller einer ‚Ludwig-Thoma-Geschichte‘ auftreten kann. Der Name klingt zu preußisch. Und seitdem heiß ich Hansi Kraus. Ist mein Künstlername mehr oder weniger.

 

Sie haben es eben selber gesagt. Seit dem 12-ten Lebensjahr stehen Sie vor der Kamera. Konnten Sie sich jemals eine andere Berufswahl vorstellen?

 

Mein Vater hat mich immer dazu angehalten, etwas Anständiges zu lernen. Schauspieler sei kein anständiger Beruf. So bin ich halt weiter zur Schule gegangen, die natürlich durch meine parallel laufende Schauspielerei schon etwas beeinträchtigt wurde. Abgeschlossen habe ich die Fachoberschule für Design. Letztendlich war mir jedoch klar, dass ich nicht so gut Zeichnen konnte. So habe ich nach der Schule den Beruf des Erziehers gelernt. Doch die Schauspielerei begleitete mich die ganze Zeit und irgendwann habe ich mich dann – weil ich auch ein lukratives Filmangebot erhalten habe – für den Schauspielerberuf entschieden. 

'Zuagricht, hergricht, higricht' (© Foto Iberl-Bühne)
'Zuagricht, hergricht, higricht' (© Foto Iberl-Bühne)

Sie haben neben vielen lustigen Filmen auch in Filmen wie ‚Unordnung und frühes Leid‘ (nach einer Novelle von Thomas Mann mit stark autobiographischen Zügen), ‚Flammenzeichen‘ (überwiegend im Dritten Reich spielendes Filmdrama), ‚Transbavaria (Road- und Buddy-Movie mit Rebellenfantasie – frei nach SZ-Kritik) und ‚Club der einsamen Herzen‘ (Tragikkomödie u.a. mit Hannelore Elsner, Jutta Speidel und Uschi Glas) gespielt. Waren diese Filme für Sie eine Chance, aus der ‚Schublade der lustigen und humorvollen Filme‘ herauszusteigen und zu zeigen, dass Ihr schauspielerisches Repertoire sehr viel mehr zu bieten hat?

 

Ach, so habe ich das eigentlich nicht gesehen. Man steckt schnell in so einer Schublade. Ich habe mal einen Pfarrer gespielt und dann war ich die nächsten drei Rollen auch wieder ein Pfarrer. Bei dem Film mit Hannelore Elsner und Uschi Glas habe ich einen Handwerker gespielt. Danach habe ich einige Anfragen für eine Handwerkerrolle bekommen. Schauspielerei ist oftmals kein Wunschkonzert. 

 

Sie haben auch zwei Kurzfilme mit ‚Der Urvogel‘ und ‚Ritter der traurigen Gestalt‘ gedreht. Drehs mit begrenztem Budget. Was hat Sie daran gereizt und wie kamen diese Kurzfilme zustande?

 

Wenn ich Zeit hab', mache ich so etwas schon gerne. Bevor ich zu Hause rumsitze, spiele ich lieber – auch wenn es für geringes Geld ist – in einem Kurzfilm mit. 

 

 

Seit Mitte der 80er sind Sie von Bayerns Volkstheaterbühnen nicht mehr wegzudenken. Jetzt sind Film/Fernsehen und Theater doch sehr unterschiedlich zu betrachten. Welches Genre liegt Ihnen mehr?

 

Das bin ich schon oft gefragt worden. Ich kann mich eigentlich nicht entscheiden.  Das Theater hat schon den direkten Kontakt zum Publikum. Man kann wunderbar mit dem Publikum spielen. Film/Fernsehen ist schon etwas unpersönlicher, aber man hat länger etwas davon. Man kann es sich immer wieder ansehen. Auch die Bezahlung ist beim Film/Fernsehen etwas besser. 

 

Hollerküacherl (© Foto Iberl-Bühne)
Hollerküacherl (© Foto Iberl-Bühne)
Hollerküacherl (© Foto Iberl-Bühne)
Hollerküacherl (© Foto Iberl-Bühne)

Seit 2006 sind Sie bei der Iberl-Bühne festes Ensemble-Mitglied. Die Iberl-Bühne ist ein besonderes Theater. Die Stücke sind nicht nur äußerst heimatnah, sondern tauchen immer wieder sehr intensiv in das jeweilige Milieu ein. Haben Sie hier Ihre künstlerische Heimat gefunden?

 

Bevor ich zur Iberl-Bühne gekommen bin, habe ich vorher viel Bauertheater gespielt und war oft auf Tournee. Dann habe ich mir einmal mit einem Freund ein Stück der Iberl-Bühne angeschaut. Ich glaube es war ‚Der Preisboxer‘. Ich war so begeistert von dem Stück, dass ich den Georg Maier (Chef der Iberl-Bühne, am 01.01.2021 gestorben) gebeten habe, mich im Ensemble aufzunehmen. Er fand dies auch eine gute Idee. Es hat dann doch noch etwas gedauert, bis wir zusammenkamen. Erst als ein Ensemblemitglied in einem Stück ausgefallen ist, habe ich deren Rolle übernehmen können. Später habe ich den Georg mal gefragt, warum er bei mir so gezögert hat. Er sagte, dass er Bedenken gehabt hat, dass ich zu viel Gage verlangen würde. Doch wir sind wunderbar miteinander ausgekommen und seitdem spiele ich bei ihm.

 

'Zuagricht, hergricht, higricht' (© Foto Iberl-Bühne)
'Zuagricht, hergricht, higricht' (© Foto Iberl-Bühne)

Sie haben es eben schon angesprochen. Die Iberl-Bühne beherrscht das ‚Spiel mit dem Publikum‘ in vollendeter Form. Während so mancher Zuschauer nicht so darauf erpicht ist, in die Handlung des Stückes – wenn auch nur für wenige Augenblicke – mit eingebunden zu werden, gibt es sicherlich viele, die nur darauf warten, von den Schauspielern angesprochen zu werden.

 

Das kann ich mir schon vorstellen. Mir allerdings war es auch immer peinlich, wenn ich als Zuschauer plötzlich mitspielen musste.

 

Besteht bei den Schauspielern nicht die Gefahr, dass Sie handlungstechnisch und vielleicht auch textlich ‚den Anschluss verpassen‘?

 

Nee, eigentlich nicht. Der Georg hat die Stücke schon so geschrieben, dass da nichts passieren kann. Man extemporiert (improvisiert) auch des Öfteren als Schauspieler. Man kann die Reaktion des Zuschauers im Text nicht einberechnen. Es kann ja sein, dass der Zuschauer spielfreudig ist und dann muss man als Schauspieler darauf eingehen. Das hat aber bisher immer sehr gut geklappt. 

 

 

Oberbayerisch ist die Sprache der Iberl-Bühne. Für mich als ‚Zug‘reister' wirkt die Sprache ein wenig derb und direkt. Aber mir scheint, für die Iberl-Bühne die einzig richtige Sprache. Ich kann mir auch bei Ihnen eine andere Sprache eigentlich nicht vorstellen. Ist oberbayerisch die Sprache, in der sie sich künstlerisch am besten ausdrücken können?

 

Auf jeden Fall die Sprache, in der ich mich wohlfühle. Gebürtig komme ich aus Gleiwitz (Oberschlesien). Meine Eltern haben zu Hause mehr polnisch/schlesisch gesprochen. Wir kamen nach München, da war ich sechs Jahre. Bayerisch habe ich ab dann eigentlich erst auf der Straße gelernt.

 

 

Eine Frage, die für unsere Laienschauspieler von großem Interesse ist. Kommt es vor, dass Sie Texthänger haben?

 

(Lachend) Oh ja, das soll schon vorgekommen sein! Mir ist schon einmal bei einer Premiere passiert, dass ich im Text gesprungen bin. Ich habe das falsche Stichwort gegeben. Dadurch haben wir eine ganze Textseite ausgelassen, die jedoch vom Inhalt her entscheidend für den weiteren Verlauf des Stückes war. Meine Mitschauspieler haben natürlich auf mein Stichwort geantwortet. Wir mussten im Nachgang dann sehen, dass wir improvisierend alle wichtigen Infos dieser fehlenden Textseite im Dialog noch unterbekommen, was dann auch geklappt hat. Man muss halt gute Kollegen haben, auf die man sich verlassen kann.

 

 (© Foto Iberl-Bühne)
(© Foto Iberl-Bühne)



                                                    Lieber Hansi Kraus,

                                                    ich danke Ihnen für das tolle Gespräch!


 

 

Aus der Reihe G'schwätzt mit...